Ein anstrengender Geburtstag.

Ich möchte euch Lesenden heute eine kleinen Einblick geben, wie ich mich an einem normalen Tag fühle, was ich denke. Dieser Text wurde spontan geschrieben und es folgt evtl. eine Klarstellung. Aber ich möchte nichts nachträglich korrigieren, da ich im Moment so denke.

Gestern war das erste Geburtstagsfest des fröhlichen Kindes, an der ich als Tante teilhaben konnte. Es ist ein Fest der Freude wenn ein so zartes Kind das erste Jahr in unserer verrückten Welt überstanden hat. Meine Nervosität war gross. Wer kommt, was gibt es zu essen, ist das Kind in Feierlaune? Als ich am Morgen den Kuchen backte, den ich selbst als Kind jedes Jahr bekam, machte ich mir Sorgen. Halte ich das aus, an einem Fest auf so engem Raum teilzunehmen? Nicht nur das. Sondern finde ich auch Berührungspunkte mit den Gästen? Ich habe ein zwei Freunde, mit denen ich Kontakt halte, bin aber ansonsten oft alleine. Ich wusste nicht ob ich mich mit Ingenieuren, Statikern und allgemein, mit den sogenannten Erfolgreichen unserer Gesellschaft unterhalten kann. Über was denn? Die Angst um 10:00 Uhr Zug zu fahren, das Misstrauen gegenüber Fremden, die Schande weil man angewiesen ist auf Psychopharmaka?

Ich riss mich am Riemen und packte den Kuchen. Meine Mutter nahm die Geschenke und wir fuhren los. Im Auto, auf der fahrt, dachte ich nur: „Hoffentlich ist das schnell vorbei.“ Was ich mit einer Unterhaltung verbarg.

Als wir die Wohnung meiner Schwester betraten, war alles schon im Gange. Jeder ging durch die grosse Wohnung hin und her, als würden sie ihre Schlüssel suchen. Ich war sofort überfordert. Terror, ist das richtige Wort, das beschreibt, wie ich fühlte.

Stellt euch einen Filter im Gehirn vor, der die unwichtigen Informationen von den wichtigen trennt. Dieser Filter ist fehlerhaft bei schizophrenen Menschen und vieles wird ungefiltert in das Bewusstsein gespült. Wenn nun so jemand an ein Geburtstag kommt, der laut ist und auf engem Raum stattfindet, kann es sehr belastend sein. So belastend, dass es bis zur plötzlichen Flucht führen kann.

In dieser Situation flüchtete ich oft auf den Balkon um zu rauchen und diese fünf Minuten zu nutzen, um mich zu sammeln. Ich sprach mit einer der Hauskatzen, die auf mich einen sehr pfiffigen Eindruck machte. Währenddessen tröpfelten immer mehr Menschen in die Wohnung um zu gratulieren. Es wurde immer schwieriger den Schein der normalen Tante zu wahren.

Ich sass mit Schwiegereltern und meiner Mutter nach einer gefühlten Ewigkeit an dem ruhigeren Esstisch, da sich viele in dem geräumigen Wohnzimmer aufhielten, als die erlösenden Worte meiner Mutter kamen: “ Wir können doch langsam gehen.“ Ich stimmte natürlich zu und zehn Minuten später waren wir in dem ruhigen Auto auf dem Weg nachhause.

Es war ein kleines Fest, mit 13 Personen, aber es kostet Kraft, mit so vielen Menschen zu interagieren, die man nicht kennt. Ich bevorzuge den Kontakt Eins zu Eins. So kann man sich völlig auf sein Gegenüber einlassen und merkt so, wen man vor sich hat.

Natürlich werde ich an wichtige Feste mit mehreren Menschen weiter teilnehmen, nicht nur aus dem Grund weil soziale Kontakte wichtig sind, sondern auch weil ich nun mal ein Teil dieser Familie und Gesellschaft bin und mich nicht verstecken will. Ich wollte in diesem kleinen Text einen Eindruck vermitteln, damit ihr es in Zukunft nicht als Beleidigung empfinden müsst, wenn jemand mit solchen Problemen vielleicht einmal absagt,

Veröffentlicht von Lydia

Schräg und manchmal verrückt. Ich bin nicht Perfekt, aber dafür bin ich zu gerne ein Mensch.

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