Die letzten vier Tage fand das erste Dorffest seit elf Jahren in dem Dorf statt, in dem ich aufwachsen durfte. Es ist ein idyllisches Dorf, das katholisch geprägt ist und jeder den anderen kennt. Die Feste sind berühmt und man hat grosse Vorfreude, da diese selten stattfinden.
Wie ist es nun für eine paranoid schizophrene Frau wie mich, an ein viertägiges Dorffest zu gehen? Ich wollte nichts verpassen und ging, so wie es meine Laune und der Verfolgungswahn zuliessen, jeden der vier Tage an die Feier.
Ich war zuerst kognitiv erschlagen von den ganzen Beizen und der hämmernden Schlagermusik. Aber es ging alles gut. Ich traf alte Schulkameraden, die sowohl engagiert als Helfer zugange waren, als auch als Eltern eigener Kinder zu tun hatten. Nach einer Weile hatte ich aber genug von dem Trubel, an dem sogar Gäste anderer Dörfer teilnahmen.
Mir fiel stark die Freude, das glatte, das vermeidliche perfekte am zweiten Tag an den feiernden Menschen auf. Sie waren überzeichnet, wie Karikaturen ihrer selbst. Da wurde mir bewusst, warum ich mich nicht wohl fühlen konnte unter der Masse bei dieser Gaudi. Es war nicht nur die Masse der Menschen, sondern auch das künstliche zur Schau stellen der Freude, die mir Übelkeit bereiteten. Ich fühlte mich als Figur in dem Film „Die Frauen von Stepford“ (2004). Alle waren glücklich und perfekt, wie künstliche Kreaturen, die geschaffen wurden um nicht den eigenen Zielen zu folgen, sondern nur um perfekte Diener der Gemeinschaft zu sein.
Der dritte und vierte Tag wurden nur belastender für mein Gemüt. Meine Schwester, die Mutter des Kindes, an dem ich teilhaben kann, als Tante, ist meiner Meinung nach völlig assimiliert worden, von der Masse die nur dem Schein nach Perfektion folgt. Ich konnte nur noch wenig Zeit an dem Fest verbringen, und war sehr froh, als ich am Montag danach (Heute) endlich nachhause konnte, in die vier kleinen Wände, in denen ich frei ausleben kann wie ich mich fühle.
Mein Fazit lautet an alle die Probleme mit Menschenmassen haben: „Geht an solche Feste, auch wenn es euch Leiden bereitet. Überlasst nicht den angepassten das Feld und die Freiheit zu feiern, während ihr alleine in der dunklen Wohnung sitzt und nur von Bekannten von der Party erfahrt. Zeigt euch, wenn ihr die Kraft habt und offenbart allen in eurem Dorf, dass ihr trotz eurer Probleme immernoch ein Teil einer Gemeinschaft sein wollt.“
Ich brauche nun Ruhe, weil diese Erfahrung mir auch Kraft genommen hat. Aber ich will offen mit diesem Krankheitsbild umgehen dass mein Erleben mitprägt, und mich nicht aus Scham und Angst verstecken. Ich bleibe immer ein Teil meines Dorfes, auch wenn ich nicht bis zur späten Abendstunde an der Party teilnehmen konnte.