Gott erfahren

Als an Schizophrenie „erkrankte“ Person kann es manchmal schwierig sein den Kontakt zu anderen Leuten oder Gruppen zu pflegen oder gar einzugehen. Man beschäftigt sich viel mit seiner eigenen Gedankenwelt, sodass man sich immer beschäftigt fühlt. Aber eines Tages wacht man auf und merkt, dass man langsam vereinsamt und mit den Jahren immer mehr verlernt hat auf Menschen zuzugehen, da man niemanden in seine private, besonders intime Gedankenwelt einladen wollte. Was soll man da tun?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten: Eine geschützte Arbeitsstelle, Kurse besuchen, eine Selbsthilfegruppe oder Kontakt zu vertrauten aus der Vergangenheit wieder aufbauen. Meine Strategie war es bisher zu arbeiten. Was mich aber immer in einem, mich ablenkenden Zustand der Betrübtheit betäubt dahintreiben lies.

Nun versuche ich mich besser kennenzulernen, als bisher in der Therapie. Wie kann man sich besser verstehen lernen, als durch Therapien mit professionellen Begleitern, fragt ihr euch vielleicht.

Ich hatte eine vor einigen Jahren eine Begegnung mit dem göttlichen, was ich wieder in mein Sein einzufügen versuche. Ich möchte euch von dieser Begegnung berichten, bevor ich euch erzählen will, warum sich auch mithilfe von dem nicht erkennbaren mich selbstbesser kennenlernen konnte:

Ich befand mich zur Erholung und zur spirituellen Erfahrung vor einigen Jahren in einem Kloster. Dort kochte, putzte, meditierte, ass und trank mit den Mönchen und Nonnen zusammen. Eines Tages, an einem Spaziergang während dem Tag an dem man schweigen sollte, befand ich mich auf einem verwachsenen Feld und beschloss zu rasten. Ich ass meinen Landjäger mit Brot, zum Nachtisch einen Schokoladenriegel und zwei Äpfel. Nach dem essen erfasste mich der Gedanke zu beten. Niemand war da, der mich beobachtete. Also kniete ich in die feuchte Erde und legte meine Stirn auf meine ineinander greifenden Hände. Das Gebet war sehr persönlich und voller Selbsterkenntnis, als mich plötzlich ein Gefühl überwältigte. Es war das Gefühl geliebt zu werden, aber nicht wie von Vater oder Mutter. Sondern diese Liebe war rein, ohne ein Ende. Wir Menschen sind unvollkommen und können nicht so eine Liebe vermitteln, da wir uns ärgern, wütend machen können und Fehler machen. Diese Liebe, die ich fühlte war ohne Makel. Sie war vollkommen.

Plötzlich schossen mir, während des Gebets, die Tränen in die Augen, weil ich so etwas, wie wir alle, noch nie vorher erfahren durfte. Ich war demütig und konnte diese Liebe kaum ertragen, die wie eine Tsunamiwelle über mich hereinbrach. Seit dem weiss ich, rein subjektiv, dass es ein Wesen geben muss, dass mir so ein Gefühl geschenkt hat, auch wenn es nur ein Moment war. Ein Mensch ist nicht fähig solche Empfindungen zu vermitteln.

Wie kann man sich dadurch selber besser kennenlernen?

Ich bin seit diesem Moment eine Theistin. Und weiss für mich, dass was seit tausenden Jahren von den intelligentesten Menschen jener Zeiten studiert und erforscht wurde, einen Sinn hat. Die Philosophie versucht den Menschen zu beschreiben. Wenn man in die Lücken der Gleichung de Menschseins einen liebenden Gott einsetzt, macht die unlogische Existenz des Menschen plötzlich einen Sinn. Ich kann mich selbst besser als Mensch kennenlernen, wenn ich die Möglichkeit Gottes annehme. Ansonsten würde ich ohne erkennbaren Grund hier sitzen, schreiben, atmen und denken. Man sollte immer offen bleiben.

Ich bin Gott einmal begegnet und es hat nicht nur in meinem Denken, sondern auch in meinem Fühlen, einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Veröffentlicht von Lydia

Schräg und manchmal verrückt. Ich bin nicht Perfekt, aber dafür bin ich zu gerne ein Mensch.

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