Wir alle, die erwachsen sind, und leider auch immer mehr Kinder, werden geplagt von Stress. Wie geht man damit um? Einige flüchten sich in Sport oder in den Genuss. Ich sehe mich aber in meiner Stresssituation einer existentiellerer Furcht konfrontiert, als dass ich sie mit Schmerz oder Lust lösen könnte. Ich weiss nicht mehr, ob ich in diese Welt gehöre. Mein Körper wird zu einem Kleid, welches ich tragen muss, aber nicht gern an mir habe. Wie ein Roboteranzug für die virtuelle Realität. Meine Welt ist klar, aber unwirklich, wie ein schlechter Film, in dem ich nur eine Statistin spiele. Ich habe keinen Einfluss auf die Handlung und bewege mich in meinem unpassenden Kleid durch die eine, und dann die nächste Szene.
Es ist schwer dies verständlich zu machen. Aber ich habe Episoden, auch in Stressphasen, in der ich meine menschliche Seite verliere. Ich funktioniere nur um da zu bleiben. Hätte ich in diesen Momenten einen Revolver an der Schläfe, würde ich abdrücken. Nicht weil ich das Leben nicht schätze, sondern weil ich mich in diesen Momenten wie ein Golem, ein künstliches Wesen fühle, obwohl ich das Menschsein sehr schätze.
Wir alle kämpfen mit Stress und einige, wie ich, spalten ihren Geist von ihrem Körper, weil sie vielleicht sensibler auf Probleme der Finanzen, Erbschaft oder dem Tod reagieren.
Ich persönlich wurde sensibler auf diesen Stress seit meinem Selbstmordversuch. Man muss es sich vorstellen, wie ein Allergiker, der nach einem Anfall auch sensibler als vorher auf das betreffende Objekt reagiert. Es ist eine Reaktion des Körpers, der weiss wie es endet. Also schaltet er schon vor der Krise, dem Anfall, auf den Gefahrenmodus.
Jetzt, in diesem Moment fühle ich mich auch fremd im eigenen Körper und eurer Welt. Aber in solchen Situationen muss ich mir einreden, dass auch ich, wie ihr, hierher gehöre. Und dass ich mich irgendwann, vielleicht nach der Coronakrise in den Armen eines liebenden Menschen wiederfinde und erkenne.
Geht gut mit eurem Stress um. Gebt euer Sein nie auf. Zahlt eine Rechnung lieber nicht, und wartet auf die Mahnung, um dafür einen schönen Abend mit jemanden zu verbringen, der euch wichtig ist. nehmt euch einen Tag frei bei der Arbeit, wenn ihr nicht mehr könnt und sitzt nur da, wobei ihr nur der Natur zuhört und Bewegungen beobachtet. Wir sind nicht nur für Arbeit und zur Zahlung geschaffen worden. Wir brauchen auch Muse und Zeit.
Nehmt euch die Ruhe und den Genuss, auch wenn ihr auf den ersten Blick Verluste davon tragt. Euer Geist, eure Seele, wird es euch danken.