Wie ist es nach einem solchen Erlebnis. Wie lebt man weiter, obwohl man dieses Leben beenden wollte, aber wieder hergeholt wurde.
Ich konnte einen Monat kaum essen, und wollte keinen Kontakt zu anderen Patienten in der psychiatrischen Klinik, in die ich gebracht wurde. Ich musste nachdenken über den Sinn oder Aufgabe meines Lebens. Andere sprachen über ihre Kinder, Partner oder Freunde. Das sind Dinge, die ich nicht habe, und begriff ihre Sorgen diesbezüglich nicht. Ich habe nur meine Familie. Dieser bin ich Rechenschaft schuldig.
Wie gesagt: Ich hatte lange keinen Appetit und machte mir Gedanken ohne mit anderen darüber zu sprechen. Selbst der Psychologin sagte ich nur, dass ich abnehmen will, als sie fragte, warum ich nicht essen möchte.
So verging die Zeit, bis ich in eine psychiatrische Tagesklinik kam, wo man zuhause schlafen kann, und nur tagsüber in den Therapien dort anwesend sein muss. Ich bekam dort langsam wieder Appetit, aber ich wollte immer noch in Ruhe nachdenken.
„Warum lebe ich noch? Habe ich noch eine Aufgabe? Wieso muss ich mich noch weiter quälen? “
Ich beschloss mit dem Diakon der Kirche meiner Gemeinde zu sprechen. Dieser hörte geduldig zu und hielt den Mittel-und Zeigefinger vor seine Lippen, als würde er konzentriert zuhören, als ich mein Problem beschrieb.
„Wissen Sie, Frau Gottlieb…“ fing er an “ Ein Koma und die damit verbundenen Erlebnisse sind nicht vollkommen geklärt. Es ist so, dass die medizinische Wissenschaft davon ausgeht, dass das Gehirn noch arbeitet, und man deshalb Bilder sieht. In der Glaubenswelt aber kann man es als Vision sehen. Ich kann es Ihnen nicht beantworten. Entweder wollte Ihnen Ihr Gehirn aus Lebensdrang noch Bilder zeigen, oder aber, was möglich ist, war es eine/Ihre Vision vom Fegefeuer.“ Er sprach diese Worte sehr trocken und ohne Emotion. Wahrscheinlich antwortete er oft auf ähnliche Fragen.
Entweder medizinisch oder gläubig….. Wie soll ich es sehen? Ich kann diese Erfahrung nicht einfach als Reaktion meines Gehirns abtun. Es hat mich geprägt und beschäftigt mich noch drei Jahre danach. Ich fühlte mich, als ob mein Körper fremd war. Als ob meine Seele nicht mehr zu dem Körper passt, als hätte man ein falsch geschnittenes Kleid an.
Diese Nachwirkungen zeigen mir, dass das Problem nicht im Gehirn war oder ist, sondern das meine Seele mir etwas mitteilen will. Ich bin noch ein wenig unsicher, wie ich das alles sehen und interpretieren soll.