Ist der Gottesglaube ein Krankheitsbild?

Ich lebe seit über zwölf Jahren mir der Diagnose der Schizophrenie. Damals fing ich auch an mich mit der Gottesfrage auseinanderzusetzen.

Es ist schwer an ein ein vollkommen gütiges Wesen zu glauben, wenn man selbst geplagt wird von Sorgen und Zweifeln. Ich war daher nicht gottgläubig. Mit der Zeit, vielleicht aus Interesse oder Langeweile, beschäftigte ich mich immer mehr mit der Theodizee. Ich sprach mit Vertretern der Katholiken ,den Zeugen Jehovas, Scientology, Mormonen, Buddhisten und Hare Krishna. Diese zeigten mir ein vielfältiges Bild Gottes, dass jeder für sich persönlich definieren muss. Es ist eine Lebensaufgabe, wenn man so will, Gott zu erkennen.

Ich fühlte die Gegenwart Gottes ein einziges mal. Ich war alleine auf einem Acker in der nähe eines Sees, dass neben einem Weinberg lag. Ich war verzweifelt und beschloss zu beten. Während ich noch auf der Erde kniete, meine Stirn auf meinen gefalteten Händen ausruhend, spürte ich die unendliche und vollkommene Liebe von etwas, dass meine Verzweiflung erkannte. Es war eine Liebe die ich nicht ertragen konnte und musste anfangen zu weinen. Nicht aus Schmerz oder Scham. Sondern deshalb, weil mich jemand oder etwas so beschenkt mit dem Gefühl der Zuneigung und Akzeptanz und Liebe, die ich vorher und nachher nie wieder erfuhr.

Vielleicht bin ich verrückt, und jeder andere Mensch, der sowas ähnliches erlebte. Aber es ist ein Erlebnis, dass einem über Jahre Kraft gibt und trotz verschiedener Rückschläge, weitermachen lässt. Ich denke, dass sich das göttliche immer bei denen zeigt, die keinen Ausweg mehr kennen.

Seit diesem Tag bin ich überzeugt von der Existenz des göttlichen. Wir alle haben es in uns. Verborgen in einem Teil unseres Geistes, der uns erst menschlich macht.

Vielleicht bin ich verrückt. Aber ohne die Gewissheit, dass sich das göttliche überall, permanent sich immer wieder zeigt, wäre ich verloren.

Veröffentlicht von Lydia

Schräg und manchmal verrückt. Ich bin nicht Perfekt, aber dafür bin ich zu gerne ein Mensch.

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