Das „verrückte“ Ich

Zuerst muss man klären, was verrückt heisst.

Ein Teller kann auf dem Esstisch verrückt sein, den man millimeter genau angeordnet hat. Ein Gemälde kann verrückt sein, dass schräg an der Wand hängt. Das sind nicht schlimme und zu korrigierende Probleme.

Was aber, wenn ein Mensch verrückt ist. Es wird zum Schimpfwort und zu einem Stigma. Es gelingt nur unter Anstrengung des betreffenden, sich wieder zu entrücken oder einzufügen. Was aber, wenn man verrückt,wie der Teller oder das Gemälde, bleiben will. Man gehört dann nicht mehr zu der Ordnung.

Ich habe paranoide Schizophrenie, und sehe mich nicht als krank oder verrückt. Wie der Teller stehe ich nicht in der Ordnung, aber bin trotzdem nützlich und verwendbar, Das Gemälde verliert nicht an Anmut, wenn es etwas schief hängt. Wieso muss ich als Mensch also jeder Form und Regel folgen, die von der Gesellschaft gerade als genehm angesehen wird?

Ich lebe allein, ich möchte keine Beziehung oder Kinder. Ich will nicht immer gepflegt aus dem Haus, und ich will schreiben und malen um mich in meinem denken zu kultivieren.

Wieso darf eine Pflanze wachsen, obwohl sie vielleicht fehlerhaft ist und wir Menschen werden in Formen gepresst, obwohl wir uns fast genauso entwickeln?

Ich habe einige Probleme, die ich nicht verneinen kann. zum Beispiel Verfolgungswahn oder geringer Selbstwert. Aber deswegen muss ich mich nicht fügen an ein Bild, dass man erwartet, wie man als Mensch sein sollte. Es ist wichtig, zu versuchen seinen Weg zu nehmen. Das habe ich erst jetzt, mit über dreissig gelernt.

Ich sehe und höre jeden Tag Dinge, mit dennen ich gelernt habe zu leben. Ich weiss heute, was der Unterschied zwischen Wahnsinn und Realität ist. Aber dennoch kämpfe ich mit der Gesellschaft von vielen Menschen, die mich als Weltfremd sehen. Es ist keine Phobie, sondern die Unberechenbarkeit der Menschen, die mich scheu macht.

Tiere, auch agressive, kann man einschätzen. Einzelne Menschen sicher auch. Aber Menschenmengen machen mich immer nervös. Ich weiss nicht, wer mir zuhört, wer mich beobachtet, oder schlecht über mich redet mit anderen. Das sind Symptome, die ich niemals verlieren werde. Deshalb bin ich gerne alleine oder nur mit meiner Familie. Weil ich die Absichten der anderen Menschen nicht erkennen kann.

Jedem Tierchen sein Plesierchen. Dieses ist meines.

Veröffentlicht von Lydia

Schräg und manchmal verrückt. Ich bin nicht Perfekt, aber dafür bin ich zu gerne ein Mensch.

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